Der Brauch, Neugeborene zu beschenken, existierte schon in der Antike. Dabei war Edelmetall wegen seiner Verheißung von Wohlstand und Glück besonders beliebt. Silber hatte dabei gegenüber Gold den Vorteil, dass man daraus Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch, wie etwa Löffel, fertigen konnte. Taufgeschenke haben auch einen hohen symbolischen Charakter: Der silberne Tauflöffel steht zum Beispiel dafür, dass das Taufkind immer genug zu essen haben soll. Sie gehörten zu den persönlichen Gegenstanden, schließlich war bis in das 18. Jahrhundert häufig der Löffel das einzige Essbesteck und es war üblich, stets den eigenen Löffel zu benutzen. Wertvolle Exemplare wurden das ganze Leben hindurch benutzt und waren daher ein perfektes Geschenk zur Taufe – ein Geschenk fürs Leben und eine ewige Erinnerung an den Tag der Taufe.
Über die Jahrhunderte war der Löffel der tägliche Begleiter des Menschen. Er gehörte so sehr zum Alltag, dass viele Lebenssituationen durch Sprichwörter und Redewendungen mit dem Löffel in Verbindung gebracht werden. Wer mit Glück und Reichtum gesegnet ist, wurde „mit einem silbernen Löffel im Mund geboren“. Jemandem, der sich einer Sache schuldig gemacht hat, sagt man, dass er „die Suppe auslöffeln muss“. Und wenn das Leben zu Ende geht, heißt es, dass man „den Löffel abgibt“.
Die Löffel hatten damals Normalgröße und wurden erst im 19. Jahrhundert durch maschinell gefertigte Kinderlöffel ersetzt.
Früher war es üblich, dass der Pate dem Taufkind Goldstücke schenkte, die vorher in einen Beutel gesteckt wurden, damit dem Kind nie das Geld ausgehen möge.
Eine noch ältere Tradition als der Tauflöffel besitzt der sogenannte Apostellöffel. Am Ende des Griffes waren Figuren von Aposteln befestigt. Wurde das Taufkind auf den Namen eines Apostels getauft so war der Löffel mit dem jeweiligen Apostel das passende Taufgeschenk. Meist schenkte man Einzelstücke. Wohlhabende Taufpaten schenkten einen ganzen Satz oder mehrere Apostellöffel. Insgesamt gab es 12 Apostellöffel, hinzu kam ein 13. Löffel, mit der Darstellung Jesu oder der Jungfrau Maria. In einigen Gemeinden wurde die Tradition, Apostellöffel zu verschenken, bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aufrechterhalten.


